Schulprobleme: Hilfe, mein Kind ist schlecht in der Schule! Oder: Wann ist Erziehung erfolgreich?

Heute möchte ich ein heikles Thema ansprechen, dass manche von uns wahrscheinlich schon an den Rand der Verzweiflung gebracht hat: Die Schule, oder eher, die Schulprobleme des eigenen Kindes.

Ja, es gibt Lehrer, die Kinder von Alleinerziehenden besonders kritisch beäugen. Und es kann durchaus vorkommen, dass ein Satz wie: „Naja, das Kind hat´s ja auch nicht leicht, so ohne Vater“, als Begründung für Schulschwierigkeiten herhalten muss. Bevorzugt von kinderlosen Menschen, also den wahren Spezialisten, ausgesprochen. Viele von uns fühlen sich besonders unter Druck, dem Kind zu guten Schulnoten zu verhelfen, denn man möchte der Gesellschaft ja zeigen, dass man eine gute Mutter ist. Also sitzt manche Alleinerziehende mit dem Erstklässler bis 21 Uhr an den Hausaufgaben, und das Einzige, was dann fertig ist, sind Mutter und Kind.

Ist das meine Schuld? Was soll nur aus dem Kind werden? Es hat doch keine Chance auf ein gutes Leben ohne Abitur!

Ich selbst habe seit 20 Jahren Schulkinder, und sie sind alle ganz verschieden. Wie ein Kind in der Schule zurechtkommt, hängt nämlich zumeist 1. vom Kind, und 2. von der Schule ab. Und da liegt so einiges im Argen. Hier findet ihr mehr zum deutschen Bildungsstand im Internationalen Vergleich, und hier könnt ihr nachlesen, warum immer mehr Eltern ihre Kinder lieber auf eine Privatschule schicken wollen. Aber die Schule ist nicht der einzige Faktor, warum es mit den Leistungen nicht immer hinhaut.

Kein Erfolg in der Schule = kein Erfolg im Leben?

Das ist doch der Gedanke, der uns meist umtreibt. Er sorgt dafür, dass Kinder schon ab der ersten Klasse (streng genommen schon eher, denn selbst Frühförderung folgt diesem Paradigma) unter enormem Leistungsdruck stehen. Wer es sich leisten kann, beglückt sein Kind mit Nachhilfeunterricht. Erst wenn die Hausaufgaben erledigt sind, darf das Kind raus zum Spielen (ach warte, sind da draußen überhaupt spielende Kinder?). Schon Fünftklässler leiden unter Burnout. Das Familienleben dreht sich um die Leistung, die Harmonie steigt und fällt mit den Noten. Stress und Verzweiflung breiten sich aus, wenn es Schulprobleme gibt.

Muss das wirklich sein?

Wenn ich mich mal in die Situation vieler Kinder hineinversetze, wird mit ganz klamm ums Herz. Sie leben für ein zweifelhaftes Morgen. Und ich kann mich gut an meine eigene Verzweiflung erinnern, weil eines meiner Kinder eher schlecht in der Schule mitkam. Ich bin die Mutter gewesen, die abends um 9 noch mit einem Kind an den Hausaufgaben saß, und zwar völlig genervt.

Dieses Kind war eines der vielen, die einfach ihr eigenes Tempo mit ins Leben brachten. Wie kann man überhaupt davon ausgehen, dass alle im gleichen Tempo lernen können? Manche Kinder (oder Jugendlichen) sind auch besonders schlecht für das System Schule geeignet. Sie passen sich schlechter an und haben Schwierigkeiten, sich unterzuordnen. So ein Kind war ich. Als ehemalige Gymnasiastin habe ich meinen ersten Schulabschluss auf der Hauptschule gemacht. Das fanden meine Eltern bestimmt auch ganz schrecklich, und sahen meine Zukunft im Sand verlaufen.

Aber: In Deutschland kann man alle Schulabschlüsse nachholen, und zwar auf den verschiedensten Wegen. Per Fernstudium, auf einer Abendschule oder auf dem Kolleg (diesen Weg habe ich gewählt, und danach erfolgreich studiert).

Ist es das wert die Kindheit einem späteren Erfolg unterzuordnen? Sie sogar zu verlieren? Bin ich nur jemand, wenn meine schulischen Leistungen stimmen, kann ich nur ein erfolgreiches Leben führen, wenn ich ein Studium absolviere? Am besten eines, dass mir die besten Verdienstchancen eröffnet? Sind kreative Menschen wie Floristen oder Friseure, Handwerker wie Maurer oder Dachdecker, Querdenker wie Schriftsteller oder Künstler weniger wert? Ist eine freundliche Person an der Kasse kein Gewinn für ihre Mitmenschen? Ich könnte mit dieser Aufzählung ewig weitermachen, aber ich glaube du weißt was ich meine.

Mein Kind ist schlecht in der Schule

Ist Leistung, und zwar eine fremd zugeschriebene, das einzige, was zählt? Ist ein Kind erst ein vollwertiger Mensch, wenn es fremde Ansprüche erfüllt? Hat ein Kind kein Recht auf ein Leben, das genügend unbeschwerte Momente, Zeit zur Muße, zur Langeweile, zur Entspannung, zum einfach Sein bereithält? 

Gibt die Schule genügend Raum für die eigenen Interessen? Wo können diese gedeihen, wo kann ein Kind sich ausprobieren und sich selbst und seine Stärken kennenlernen, wenn es die ganze Zeit mit der Schule beschäftigt ist? Ist Bildung nur das, was der Lehrplan beinhaltet?

Du musst nicht mit mir einer Meinung sein. Alles was ich möchte, ist dass du einmal durchatmest, dich zurücklehnst und ein wenig entspannst. Das Leben ist weder vorbei noch verworfen, nur weil jemand schlechter in der Schule ist.

Ich habe meine ganz eigene Theorie zu dem Thema:

Wann ist Erziehung erfolgreich?

Für mich ist Erziehung dann erfolgreich, wenn ich meinem Kind dazu verhelfen kann, ES SELBST zu sein. Ich bin überzeugt, jeder Mensch kommt mit bestimmten Neigungen und Talenten zur Welt. Jedes Kind ist eine kleine Persönlichkeit, und jeder Mensch kann seinen Platz in dieser Welt finden. Und dann kann er glücklich sein. Weiß ICH wirklich genau, was dieser Platz sein wird? Nein, denn ich kann nicht in die Zukunft sehen. Ich kann aber den Stärken meines Kindes vertrauen. Das heißt nicht, das ich sage: Noten sind doch völlig egal! Das sind sie nicht, aber sie sind keineswegs alles. Ich wünsche mir, dass mein Kind glücklich ist. Dass es Zeit zum Spielen hat, zum Träumen, für seine Freunde. Zwei meiner Kinder haben gern für die Schule gelernt, und eines hat immer noch eine ausgewachsene Angst vor der Schule, vor dem eigenen Versagen. Dieses Kind ist aber einer der zuverlässigsten, leistungsbereitesten und fleißigsten jungen Menschen geworden, die ich kenne.

Heute habe ich noch ein Kind in der Schule, 7. Klasse. Ich lehne mich zurück, denn ich weiß, dass es seinen Weg gehen wird, denn ich unterstütze es dabei. Will es Maler werden: Prima! Schauspieler? Warum nicht! Tierpfleger? Na klar! Jeder (oft noch verklärte) Berufswunsch wird von mir unterstützt. Und wenn es dann unbedingt Veterinärmedizin oder Psychologie werden soll, dann wird das Abitur als Mittel zum Zweck, nicht zum Selbstzweck, aus eigenem Antrieb am besten gelingen.

Ein gelungenes Leben hängt nicht davon ab, wie hoch der Verdienst ist. Ein gelungenes Leben ist eines, dass meinen eigenen Neigungen am besten entspricht. Für mich ist Erziehung dann erfolgreich, wenn ich mein Kind auf diesen, seinen ganz eigenen Weg schicke. Und auch alle Kurven, Umwege und Stolpersteine gelassen mittragen kann.

Hier habe ich noch einen Buchtipp für gestresste Eltern:
Warum es nicht so schlimm ist, in der Schule schlecht zu sein: Schulschwierigkeiten gelassen meistern

 

Dieses Buch ist von einer Lehrerin und Mutter geschrieben worden. Sie kann noch viel besser zur Entspannung beitragen, als ich. 😉 Der Klappentext:

Jedes Kind ist weit mehr als nur ein Schüler! Heidemarie Brosche relativiert mit Einfühlungsvermögen und Verstand die Bedeutung schlechter Noten. Sie weiß, dass es viele Gründe haben kann, warum ein Kind schlecht in der Schule ist und gibt Hinweise, wie Eltern ihre Kinder unterstützen können. So kehrt die nötige Gelassenheit in die Familie zurück.

Ich wünsche euch allen einen Montagmorgen ohne Bauchschmerzen!

 

 

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