Sinn und Unsinn von Schuldgefühlen

Schuldgefühle gehören zu den Emotionen, die man am liebsten aus seinem Leben verbannen möchte. Aber haben sie einen Sinn? Ist es wie mit der Angst, die uns daran erinnert, vorsichtig zu sein? Kann man Schuldgefühle sinnvoll nutzen?

schuldgefuehle

Schuldgefühle entstehen, wenn man glaubt etwas falsch gemacht zu haben. Das kann sogar so weit gehen, dass man sich als ganze Person verurteilt und sich seiner selbst schämt. Das Gute an Schuldgefühlen bzw. einem schlechten Gewissen: Es zeigt, dass wir moralische Werte in uns haben und eine genaue Vorstellung von „richtigem“ Handeln. Unser Handeln unterscheidet sich von dieser Vorstellung, was einen inneren Konflikt erzeugt, Ein Psychopath ist nicht in der Lage, Schuld zu empfinden. Ein schlechtes Gewissen kann uns also helfen, unser Verhalten zu verbessern und unseren inneren Idealen anzugleichen.

Doch Moment! Fühlen wir Frauen uns nicht ohnehin „in die Pflicht genommen“? Lernen wir nicht von klein auf, was wir den anderen alles „schuldig“ sind? Ist nicht Eva schon für den Sündenfall verantwortlich, kleine Mädchen für die Harmonie in ihrer Umgebung und Mütter für den Zusammenhalt in der Familie (und die Bügelwäsche, die Noten der Kinder und die Sauberkeit im Haus)? Gleichzeitig beobachten wir, dass Frauen auf dieser Welt einen geringen Status haben – weibliche Föten sind in manchen Ländern unerwünscht und werden abgetrieben, Frauen dienen in der Werbung als Objekte, sind sexueller Gewalt ausgesetzt und wir Frauen in Westeuropa brauchen eigentlich dringend einen Klon von uns selbst, anders ist der Balanceakt zwischen Arbeit, Kindern und uns selbst eigentlich nicht zu schaffen. Wir stehen also die meiste Zeit unter großem Druck und sind wie ein Kessel, der ab und an hochgeht. Darum sollten wir unterscheiden lernen, welche Ansprüche an uns selbst als Mutter wir wirklich erfüllen können und wollen. Wir müssen uns nicht mit allen Idealen identifizieren, die aus sämtlichen Ecken auf uns einstürmen.

Es gibt ja unheimlich viele Gelegenheiten, uns schuldig zu fühlen.

Ich bin schuld an unserer Trennung. 

Jetzt müssen meine Kinder leiden, nur wegen mir.

Hätte ich nur dies, oder jenes getan/vermieden.

Ich war unzulänglich/habe rumgebrüllt/war ungeduldig/habe die Türen geknallt/überzogene Strafen erteilt/war abwesend/habe Vorwürfe gemacht/hatte keine Zeit/habe nicht zugehört/ ICH BIN EINE SCHRECKLICHE MUTTER.

Doch welche Ideale in uns haben wir verletzt, dass wir uns schuldig fühlen, weil wir FEHLER MACHTEN? Könnten unsere Kinder lernen, wie das Leben funktioniert, wenn wir PERFEKT wären?

Du hast ein schlechtes Gewissen? Prima! Das ist deine Chance, es beim nächsten Mal besser zu machen. Gestehe deine Fehler ein, entschuldige dich bei deinem Kind und sage dir:

Ich habe mein Bestes getan. Denn mehr geht nicht.

Die Schuldgefühle selbst helfen dir nicht weiter, sie machen dich nur klein und führen in eine Sackgasse. Was nützt es deinem Kind (oder dir), wenn du dich wegen des Rumbrüllens und Türenknallens schuldig fühlst? Richtig, nichts.

Du hast dein Bestes getan. Dennoch hast du Fehler gemacht. Du lernst daraus, und beim nächsten Mal vermeidest du die Fehler. Oder beim übernächsten.

Dein Schuldgefühl ist nicht angemessen. Es macht nichts ungeschehen. Es ändert die Situation nicht. Das kannst nur du selbst. Darum nimmst du dieses Gefühl zu Kenntnis und entscheidest dich, ihm nicht zu folgen. Du folgst deiner Vision von einem Verhalten, das einem angemessenen inneren Ideal eher entspricht. Nicht der Schuld. Es gibt keine Schuld. Denn es gibt keine Möglichkeit, ein vollkommenes Leben zu führen. Wir werden immer wieder Fehler machen, weil wir Menschen sind.

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