Rezension: Die Mutterglücklüge

Rezension: Die Mutterglücklüge, von Sarah Fischer.

Um ehrlich zu sein, fand ich die #regretting motherhood Debatte irgendwie aufgesetzt. Ich war der Meinung, man könne die Situation der israelischen Mütter, um die es ja bei der ursprünglichen Studie ging, nicht 1 zu 1 auf die Mütter in anderen Ländern übertragen. Sollte es uns wirklich so gehen wie diesen Frauen, von denen ihre Gesellschaft standardmäßig die „Lieferung“ mehrerer Kinder erwartet?

Haben wir wirklich eine Wahl?

Immerhin haben wir ja die Wahl und können auch kinderlos bleiben, oder uns mit „nur“ einem Kind aus der Affäre stehlen.

Natürlich will man glauben, man habe eine Wahl. Bei näherer Betrachtung ist es wahrscheinlich aber gar nicht so einfach, kinderlos durchs Leben zu gehen und sich dem Rechtfertigungsdruck zu entziehen. Doch das ist ein anderes Thema.

Dem Bild von Mutterschaft auf der Spur

Nun, ich habe das nicht mehr ganz neue Buch Die Mutterglücklüge zur Rezension bekommen, habe es gelesen und es hat mich zum Nachdenken gebracht, es hat etwas in mir anklingen lassen. Die Geschichte der Autorin eignet sich ganz hervorragend, um dem bei uns vorherrschenden Mutterbild auf die Spur zu kommen.

Sarah Fischer ist weder mit einem Schreibaby konfrontiert, noch hat sie einen dieser Männer daheim, die eine Windel nur mit der Kneifzange anfassen. Ganz im Gegenteil: Ihre Tochter ist ein kleiner Sonnenschein, der Papa ist sehr engagiert. Es liegt also nicht an den besonders schwierigen Umständen, dass das Muttersein sie nicht nur nicht glücklich, sondern geradezu unglücklich macht, trotzdem sie ihr Kind sehr liebt.

Kein Raum für sie selbst

Was die Autorin in Die Mutterglücklüge berichtet ist, dass es keinen Raum gibt, sie selbst zu sein, während sie Mutter ist. Die Ansprüche der Gesellschaft, die ungefragt immer wieder an sie herangetragen werden, lassen dafür keinen Raum. Sie findet sich in diesem Mutter-sein nicht wieder, im Gegenteil stiehlt es ihr vieles von sich selbst. Es stiehlt ihr Freiheiten, Möglichkeiten und schlussendlich auch die Arbeit. Sie ist in ihrer Arbeit aufgegangen, hat sich über sie identifiziert. Und obwohl sie alles versucht, Mutterschaft und ihre freiberufliche Tätigkeit zu verbinden, fällt das natürlich schwer.

Ebenso versucht sie, ihre finanzielle Unabhängigkeit auf jeden Fall zu wahren und nimmt durch die 50:50 Teilung der Kosten mit ihrem Freund viele Nachteile in Kauf. Dennoch gerät sie unweigerlich in eine Rolle, die sie nicht ausfüllen kann (und will). Während es ganz selbstverständlich ist, dass der Vater eine Geschäftsreise unternimmt, reagiert Fischers Umgebung nahezu entsetzt, als sie ihr Kind während eines mehrwöchigen Projektes zuhause lassen will. Bei dieser Anekdote habe ich richtig mitgefiebert. Wie sie ausgeht, müsst ihr aber selbst nachlesen.

Das Mutterbild im Kopf

Ich habe mich in diesem Buch in gewisser Weise wiedergefunden. Mir war immer egal, was die anderen über mich dachten. Das war auch besser so, denn ich war eine sehr junge Mutter. Doch es kommt darauf an, was ich selbst über mich denke. Ich höre täglich, wie das Mutterbild in meinem Kopf meinem realen Ich Vorwürfe macht. Selbst wenn meine Kinder ganz glücklich sind, kann ich nicht mit mir zufrieden sein. Der Schlechte-Gewissen-Knopf, den besonders meine Große mit Vorliebe gedrückt hat, hallt nach und nach, trotzdem sie schon 27 Jahre alt ist. (Wobei Mutter-Tochter Beziehungen und ihre besonderen Herausforderungen wahrscheinlich an kein Alter gebunden sind.)

Ich hatte mal eine beste Freundin, die kinderlos war und das Ganze sehr gut auf den Punkt gebracht hat. Sie sagte mir: Lass dir kein schlechtes Gewissen machen! Du tust dein Bestes, und das ist genug.

Was gehört zum Muttersein dazu?

Es kommt bei diesen Dingen jedoch nicht so sehr darauf an, was ich tue, sondern das ich mich mit vielen Dingen, die nach meiner Ansicht zum Muttersein gehören, nicht identifizieren kann. Sie machen mir einfach keine Freude. Vielleicht würden sie mir Freude machen, doch ich komme vor lauter Alltag nicht zu den kleinen Extras, mit denen ich den Kindern meine Liebe zeigen will. Ich bin müde, doch ich muss motivierend und fröhlich sein. Die Ansicht, was zu einer guten Mutter gehört, steckt wie ein Splitter in meinem Kopf. Und irgendwie ist dieses Mutterbild auch wichtig und nützlich, denn es dient der Selbstregulation. Es ist eine Schablone, die von Generation zu Generation weitergegeben und modifiziert wird. Vielleicht wage ich nicht, mein eigenes Muster hinein zu schnitzen. Das erzeugt manchmal das Gefühl, wenn ich Ich-Selbst bin, dann nehme ich meinen Kindern dadurch etwas weg.

Ich stelle fest, dass es nicht einfach ist, diesen Gedanken auf die Spur zu kommen, denn ich betrachte sie ja gerade von innen heraus. Ihr verzeiht mir sicherlich, falls das etwas verworren klingt. Mich würde interessieren, zu welchen Gedanken euch dieses Buch inspiriert hat.

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Was andere über dieses Buch denken:

Rezension bei Breimann´s Welt

Mehr von diesem Buch:

Interview mit der Autorin in der Welt

 

 

 

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