#regrettingmotherhood?

Prison pregnancy

Dieser Hashtag geistert durch alle Medien und mir durch den Kopf. Überall tauchen auf einmal Statements von Müttern auf, die ambivalente Gefühle preisgeben. Ist das neu? Wird da wirklich eine heilige Kuh geschlachtet?

Ambivalante Gefühle sind etwas ganz Normales

Weder mag man immer seinen Job, seine Stadt, noch immer sich selbst. Aber ehrlich, im Gespräch mit vertrauten Menschen lässt man diesen unschicklichen Teil ganz unbedarft raus und beklagt sich lautstark über nervende Trotzkinder oder unmögliche Teenager. Ja, die über eigenen. Und viele von uns teilen bei facebook gern und regelmäßig zu Ferienende das Bild, auf dem drei Kinder mit hängenden Schultern und eine glücklich in die Luft springende Mutter mit: Die Schule beginnt wieder! untertitelt sind. Das ist doch ein ganz öffentliches Statement: Gut, das sie jetzt nicht mehr den ganzen Tag zuhause herumhängen und beschäftigt werden wollen. Ich kenne selbst die Beklemmungen zum Ferienbeginn: WIE zum Geier soll ich jetzt meine Arbeit und ein sechs Wochen lang anwesendes Kind unter einen Hut bekommen? Habe ich die finanziellen Mittel für all die netten Ferienprogramme, und auch die Zeit, meinen Sprössling dorthin zu kutschieren?

Das alles hat doch aber nichts mit echter Reue zu tun. Die 23 jüdischen Mütter aus der Studie von Orna Donath meldeten sich bei ihr, weil sie sich mit dem Begriff „Regretting Motherhood“ identifizieren konnten. Und man darf nicht vergessen, das Frauen in Israel mit einem ganz anderen Mutter- und Frauenbild konfrontiert sind, wie Dr. Anette von Alemann dem WDR1 im Interview erklärt:

“ In Israel sind junge Frauen mit hohen Erwartungen konfrontiert, Mutter zu werden – Kinder zu bekommen, auch viele, auch schon früh, häufig schon im Studium. Kinder begleiten ihren gesamten Lebensweg. Dahinter steckt in Israel auch der Wunsch, nach der Dezimierung durch den Holocaust das Volk wieder zu vergrößern. Das ist ganz anders als in Deutschland.“

Und:

“ In der Studie sagen einige Mütter etwa, dass sie eigentlich gar nicht Mutter werden wollten. Sie haben ihr Kind ausgetragen, weil ihr Mann die Partnerschaft davon abhängig gemacht hat. Andere sind – wegen der Kinder – mit einem Mann zusammen, den sie als scheußlich empfinden. Das bereuen sie. Nicht die Kinder an sich.“

Versteht mich nicht falsch: Ich finde es legitim, dass wir auch über ambivalente Gefühle sprechen, sie uns ein- und zugestehen. Das macht uns das Leben nämlich leichter, wenn wir wissen, dass es ganz normal ist, unsere Kinder manchmal gern umtauschen („Bitte einmal mein Leben zurück“) zu wollen. Aber wird dürfen bei all der Debatte auch nicht vergessen, dass wir in Deutschland in einer vergleichsweise privilegierten Situation sind. Es wird immer „normaler“, dass Frauen spät oder eben nie Kinder bekommen. Der eigene Nachwuchs ist viel eher Privatsache.

Muttersein als Lebensinhalt ist enttäuschend

Jede Mutter ist eben auch eine Frau mit Wünschen, Träumen und Zielen, und ich bin überzeugt, dass das Geheimnis von erfolgreichen Alleinerziehenden auch darin liegt, diese Teile des Selbst stetig weiter zu entwickeln. Natürlich dreht sich eine Zeit lang ein großer Teil des Lebens um den kleinen Menschen. Aber im Endeffekt ist die Mama ist Sonne, um die die anderen Sterne kreisen. Wenn die Kinder der wichtigste, vielleicht einzige Lebensinhalt sind, kann das nur in Enttäsuchung enden: Nicht nur das die Last dieser großen Verantwortung, nämlich für das Wohlbefinden der Mutter, viel zu schwer ist um auf den kleinen Schultern zu ruhen, Kinder sind auch nicht bei uns, um für immer zu bleiben. Es ist ja gerade unsere Aufgabe, sie in ihre eigenen Leben hinaus zu schicken, wohl gerüstet mit allem Nötigen.

Denn Kinder zu haben ist nur aus biologischer Sicht der Sinn des Lebens – alles Weitere müssen wir selbst in unserem Leben manifestieren.

Fokussieren wir uns auf das Positive

Nehmen wir zu Kenntnis, dass wir alle ambivalente Gefühle haben. Das wir durch komplizierte Zeiten gehen. Das Kinder manchmal echt nerven können. Aber verlieren wir uns nicht in dem Gefühl, wir hätten lieber alles anders machen sollen. Denn dieses Gefühl liefert uns keine positiven Impulse für unser Leben, es lähmt uns und lässt uns hilflos zurück. Durch welche Brille wir unser Leben sehen, das liegt nämlich in unserer Hand.

Stimmen zu #regrettingmotherhood:

„Mütter die keine sein wollen“ bei SPON

regretting motherhood bei parents don´t

Reue bei fuckermothers

Non, je ne regrette rien, Kolumne von Corinna Berghahn, Osnabrücker Zeitung

Regretting motherhood bei Essential Unfairness

 

Eigentlich wollte ich über das Thema nichts schreiben. Mir tut es im Herzen weh mich in diese Mütter hinein zu versetzen, die zwischen der (ungeleugneten) Liebe zu ihren Kindern und ihren Reue-Gefühlen hin-und hergerissen sind. Aber da man an diesem Thema momentan nicht vorbei kommt, hier meine Frage an dich:

#regrettingmotherhood

oder:

#ichbereuenix

?

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