Sich zerfetzen für die Klickrate von anderen #brigitte

UPDATE: Brigitte hat den Text off genommen, dazu gab es eine kurze Stellungnahme bei Facebook. Sehen wir es als gutes Beispiel, wie man es NICHT macht.

Eigentlich bin ich nicht sauer, es ist so absurd, dass es beinahe lustig ist (aber nur ganz beinahe).

Auf der facebook Seite von „Mama arbeitet“ entdeckte ich heute den link zu diesem Artikel in der brigitte.de (dies ist ein donotlink-Link, um nicht noch mehr gewinnbringenden Traffic auf der Seite zu erzeugen).

Christine (Mama arbeitet) schrieb dazu: Diese Frau spricht aus, was viele denken: Mütter sollten nicht arbeiten. Höchstens auf ganz niedrigem Nivau.

Worum geht es in dem Artikel? Eine Freiberuflerin, die aber schon öfter mit Müttern zusammengearbeitet haben will, findet dass Mütter die schlimmsten Kollegen der Welt sind. Sie telefonieren während der Arbeitszeit dem Babysitter oder dem Kind hinterher, shoppen online und bringen sogar (Komplimente heischend) Fotos der Kinder mit! „Berufstätige Mütter können nämlich vor allem eines in Perfektion: purer Horror sein.“ Und: Mütter nerven. Nicht nur – naturgemäß – ihre Kinder, sondern vor allem auch die Kollegen. Natürlich bringen sie auch nicht die Minimum 100% (da hat eine in Mathe nicht aufgepasst), die viele Jobs erfordern. Für Mütter bräuchte es eine Art Schonarbeitsplätze.

Ich könnte mich jetzt natürlich darüber auslassen und meinen gepfefferten Senf dazu abgeben, ein paar beleidigende Bemerkungen formulieren  oder die Mutter der Autorin ausfindig machen, damit diese auch erfährt dass sie nervt. Aber wisst ihr, worauf ich wirklich sauer bin?

Was ich richtig scheiße finde?

Dass die Brigitte, dieses angebliche Frauenmagazin nur zum Zweck des CLICKBAITINGS, für mehr TRAFFIC und höhere WERBEEINNAHMEN auf ihrer Seite in Kauf nimmt, dass Frauen sich untereinander zerfetzen. Das Mütter nach dem Lesen dieses substanzlosen Artikels noch mehr Druck verspüren, noch mehr Angst haben und das ätzende Kolleginnen einen Grund mehr haben, keine Solidarität zu verspüren, kein Verständnis aufzubringen und jemanden abzuurteilen, nur weil er (sie), dafuq, so blöd war sich schwängern zu lassen.

Es gibt nämlich genug dumme Menschen auf dieser Welt, die leicht beeinflussbar und vielleicht auch etwas träge in der Birne sind, die dann vielleicht wirklich denken (wie Christine befürchtet): Mütter sollen nicht arbeiten.

Nee, ich bin nicht sauer auf die Autorin. Der waren ein paar Scheine genug. Brigitte trägt ganz allein die Verantwortung dafür, und sie machen es auch total geschickt und tarnen es als MEINUNG – hat ja dann mit Brigitte NIX zu tun! Cool, oder?

Ich meine, wer kann das denn wirklich ernst nehmen? Hängt die Arbeitsmoral einer Person von ihrem Familienstand ab? Sind Kinderlose also grundsätzlich immer fleißig und werden nie krank? Scharen sich Kollegen nicht grundsätzlich um Kaffeemaschinen oder in Teeküchen und verplaudern Arbeitszeit? Und warum titelte die Brigitte noch vor ein paar Monaten: Eltern sind produktiver?

Ich finde, eine Medium mit so einer großen Reichweite hat auch eine soziale Verantwortung. Was würdet ihr denn sagen, wenn statt: Mütter nerven dort: Migranten nerven, oder Behinderte nerven gestanden hätte? Wäre das vertretbar gewesen?

Ehrlich, ES KOTZT MICH AN, dass vielen Frauen scheinbar das Solidaritäts-Gen fehlt. Ich kann das nicht nachvollziehen. Weder sollte man sich vor so einen Karren spannen lassen, noch als Redakteurin so etwas anleiern und durchführen. Frauen sind per se weder bessere noch schlechtere Menschen oder Arbeitnehmer, ob nun Mutter oder nicht.

Der Mensch sollte sich stets zum Guten hin entwickeln. Und wem das zu doof ist:

women

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5 Kommentare

  1. Spricht mir (Mann) aus der Seele.
    Aber bitte nochmal auf dass/das checken – gerade bei einem Artikel, den ich mag, find ich Schwächen da schade.
    Sorry für die Kleinkariertheit 😉

    1. Hallo,Günther! Danke für den Hinweis, ich finde es nicht kleinkariert ;). Ein freundlicher Hinweis ist immer gern gesehen. LG! Manuela

  2. Liebe Manuela,
    ich habe den Artikel (leider) verpasst – ich hätte ihn gerne nach allen Regeln der Kunst zerfetzt, aber die Brigitte war (aus meiner Sicht) so feige, ihn einfach kommentarlos von ihrer Seite zu nehmen. So kann ich also nur die Repliken darauf lesen, und da war viel Substanz dabei, ich habe eifrig genickt – nicht nur hier.
    Ich finde den von Dir herausgearbeiteten Aspekt, dass es okay zu sein scheint, Mütter aufeinander zu hetzen, andere Menschengruppen aber nicht, sehr wichtig. Auch mich schmerzt diese fehlende Solidarität. Doch was lässt sich tun, außer es selbst anders zu leben? Das Ganze hinterlässt mich schon sehr traurig. Diese Frau Hackl hat der Sache der Frauen im allgemeinen und der Sache der Mütter im speziellen wahrlich einen Bärendienst erwiesen.
    Herzliche Grüße aus Köln.

    1. Hi, liebe MrsCgn, danke für deinen Kommentar. Ich finde es auch unschön, den Artikel einfach vom Netz zu nehmen, an dieser Stelle müsste mindestens eine Stellungnahme zu finden sein, es gibt aber nur einen kurzen Kommentar auf Facebook. Die Autorin bezeichnet den Artikel im Nachhinein als Polemik.
      Gibt es etwas wie „eine Sache der Frauen“? Ich glaube schon. Vielleicht ist es sogar der letzte Schritt zu echter weiblicher Freiheit, wenn wir erkennen, welche Stärke in unserem Zusammenhalt liegen kann. Egal ob eine Frau nun Kinder hat, oder nicht. Ist es nicht seltsam? Wir machen immer wieder schlechte Erfahrungen mit anderen Menschen, werden wir aber von Männern enttäuscht, hält uns das nicht davon ab, es wieder mit einer neuen Beziehung zu versuchen. Die Solidarität unter Frauen scheint jedoch so fragil, dass sie viel schneller ad acta gelegt wird. Aber selbst so zu handeln, darauf hinzuweisen und es einzufordern, wird vielleicht die Bewegung in der Sache der Frauen halten. Liebe Grüße nach Köln! Manuela

  3. Liebe Manuela,
    in der Diskussion über diesen Artikel der Brigitte hat mir diese Perspektive gefehlt. Ich bin entsetzt und habe keine Ahnung, in welche Richtung die Brigitte mit ihrer Zielgruppe will. So zumindest zerstört man sein Image.
    Vielen Dank für den Artikel!
    Viele Grüße
    Suse

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