Ich bin nicht arm

In was für einer Welt leben wir? Unsere Gesellschaft ist unsagbar reich. Aber von den Kindern ist sie genervt, und steckt uns schon selbst damit an. Kinder nerven, sie sind laut und machen Dreck. Kinder behindern den Karriereweg, sie müssen untergebracht werden, damit das Leben möglichst schnell weitergehen kann. Als wären die Kinder nicht das Leben!

ventoWir haben sie doch gewollt! Und wir lieben sie. Und sind täglich hin- und hergerissen zwischen unserem Instinkt und dem Druck, den wir von außen fühlen, der in uns eingedrungen ist. Wir müssen ihnen etwas bieten! Aber wir sehen uns nicht in der Lage, ihnen den Raum zu geben, den sie brauchen. In uns und in unserem Leben. Denn wir müssen fort, hastig, wir eilen von Pflicht zu Pflicht. Sie sind nur eine von vielen.

In was für einer Welt leben wir? In einer Gesellschaft, die Armut aus Mittelwerten berechnet, werde ich immer, immer nur arm bleiben können. Meine Kinder sind nämlich ein Armutsrisiko. Soso. Alleinerziehende und Armut, das wird in einem Atemzug genannt. Arm bin ich aber erst, wenn ich das selber wirklich glaube. Und meine Entscheidungen dadurch verleugne. Arm bin ich erst, wenn ich auf das Wunder des Lebens blicke und denke: Wegen dir bin ich arm.

Ich bin nicht arm. Ich habe das Wunder des Lebens selbst erlebt. Du findest das klingt schwülstig und tippst mit dem Zeigefinger auf deinen Kontoauszug? Ich sage dir, das Leben selbst ist ein unfassbares Wunder. Da war nichts, und dann ist da dieser kleine Mensch. Hast du schon einmal eine Kastanie in die Hand genommen, auf den Mutterbaum daneben geblickt und gestaunt, dass in dieser glatten, runden, braunen Frucht solch ein mächtiger Baum schlummert?

Was zählt schon ein Mensch in unserer Welt? Er zählt nichts, es sei denn er ist ein Produktivfaktor. Ich mache da nicht mit. Ich bin nicht arm. Vielleicht habe ich eine Zeitlang weniger Geld, weil ich meine Zeit dafür verwende, mich um den kleinen Menschen zu kümmern, der in mir schlummerte und dann Wirklichkeit wurde. Unfassbare, wundervolle Wirklichkeit.

Arm ist der, für den das Leben aus nichts anderem besteht als Einkommen und Gewinn. Arm ist eine Gesellschaft, in der die Menschlichkeit nichts zählt. Die unbegrenztes Wachstum postuliert, von dem nur einige wenige profitieren, Der Mensch ist viel mehr als das. Was ist der Mensch? fragte Immanuel Kant. Blick auf den kleinen Menschen der aus dir kam. Du hast die Chance, diese Frage für dich zu beantworten.

Hehre Worte, sagst du, und wie soll das meine Miete bezahlen? Seien wir ehrlich. Wir werden immer die nötige Unterstützung bekommen, die Miete zu bezahlen. Wir werden auf vieles verzichten, aber sind wir deswegen arm? Du bist nicht arm, nur weil du weniger Geld zur Verfügung hast. Nur wenn du diesen Gedanken in dir verankerst, wirst du es sein. Wenn wir Reichtum in Zahlen messen, werden wir es sein. Wenn nichts zählt außer Zahlen, Gewinn und Wachstum, werde wir es sein. Große Teile der Gesellschaft sind es schon. Ich mache da nicht mit. Ich bin nicht arm.

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