Einfaches Leben: Als Alleinerziehende die Not zur Tugend machen

Grob überschlagen würde ich meinen, dass uns Alleinerziehenden drei Dinge am meisten fehlen: Zeit, Gelassenheit und Geld. Auf den letzten Aspekt möchte ich heute eingehen und einen Vorschlag machen, wie aus der Not eine Tugend werden kann. Es ist natürlich gut möglich, dass du einen gut bezahlten Job oder reichlich Rücklagen aus deiner Zeit vor dem Allein-Erziehen hast – aber vielleicht kann der Beitrag für dich dennoch interessant sein.

Man liest immer wieder, allein erziehen sei in Deutschland ein Armutsrisiko. Diese Statistiken und Meinungen tragen dazu bei, das Gefühl von Mangel in uns weiter zu nähren. Ich fühle mich nicht mit Mängeln behaftet, auch wenn meine Wohnung kleiner ist als die anderer, ich viele Dinge gar nicht besitze, die für andere wichtig sind und ich meist ein Paar Schuhe trage, bis es nicht mehr geht. Ich bin dennoch von Dankbarkeit erfüllt, wenn ich abends im Bett liege – denn ich habe ein Dach über dem Kopf, eine warme Decke und fließendes, sauberes Wasser.Glück – Konsum

Ganz objektiv betrachtet ist es nämlich so, dass es in Deutschland eine relative Armut geben kann, also eine, die sich aus dem Vergleich mit anderen ergibt (in Relation gesetzt hat man weniger) aber sehr selten eine absolute Armut – wenn jemand also wirklich nichts hat, kein Dach über dem Kopf, kein Essen, keine medizinische Versorgung. Der Lebensstandard ist hier mittlerweile so hoch, dass selbst gebrauchte Dinge, die durch stetigen Konsum permanent anfallen, einen sehr hohen Standard haben. Was absolut von Vorteil ist, wenn man gern und oft gebrauchte Sachen kauft – und ich liebe 2nd Hand, weil es nicht nur ökologisch ist, sondern auch preiswert. Ich kenne Frauen, die eine echt schicke Geschirrsammlung haben, die dekorativ in speziellen Regalen drapiert wurde. Ich hatte niemals teures Geschirr, und das ist auch besser so – Geschirr hat in einem Haushalt mit kleinen Kindern doch eine recht kurze Lebensdauer.

Die Dinge und ihr Wert – Mein Schlüsselmoment

Ich habe mir früher viele Gedanken um das Geld gemacht. Mir war beim Weihnachts-Shopping zum Heulen, weil ich all die tollen Dinge nicht für meine Kinder kaufen konnte. Ich hatte noch nie eine geile Einbauküche mit glänzenden Fronten und sanft schließenden Einschüben, und so Extra-Körbchen für die Topfdeckel. Ich musste von Hand spülen, weil mir mein Geschirrspüler im Zuge einer Entmietung von den neuen Hausbesitzern geklaut wurde. Ich war wirklich ein armes Ding. Und dann sah ich einen Fernsehbericht über die Jahrhundertflut 2002. Verzweifelte Menschen, denen die Wassermassen alles genommen hatten – der gesamte Besitz war zerstört. Das Haus, vielleicht jahrelang erspart, unbewohnbar. Spielzeuge, Einbauküchen und Geschirrspüler – alles Müll. Und mir wurde klar, wie vergänglich all die Dinge eigentlich waren, nach denen ich mich sehnte. Wie schnell man alles verlieren kann – und das machte die Dinge für mich weniger erstrebenswert.

Das Konzept: Einfaches Leben

Es ist natürlich gemein, wenn man gezwungen ist, auf viele Dinge zu verzichten, die man sonst hätte oder gern haben möchte, nur weil man alleinerziehend ist. Es kann aber auch eine riesige Chance sein, sich dem Konzept Einfaches Leben zuzuwenden und Erfahrungen zu machen, die einem sonst verwehrt blieben. Zum Beispiel diese:

Nicht der Mensch ist glücklich, der am meisten besitzt, sondern der, welcher am wenigsten braucht. Wer mit nichts zufrieden ist, der besitzt alles. Diogenes

Diogenes wurde um 410 v.Chr. geboren und zählte zu den Kynikern, einer Gruppe von Denkern, welche die Selbstgenügsamkeit propagierten. Er schlief öfter in einem Vorratsfass. Freiwillig.

Aber auch Sokrates soll bei einem Gang über den Markt gesagt haben:

Wie zahlreich sind doch die Dinge, derer ich nicht bedarf.

Jetzt wirst du vielleicht sagen: Ich will das aber nicht! Aber wenn du ein Bein verlieren würdest, müsstest du doch auch lernen, mit der Prothese zu gehen. Und wenn du jetzt, zu diesem Zeitpunkt deines Lebens, als Alleinerziehende finanziell schlechter gestellt bist, dann machst du am besten etwas Gutes daraus. Deine Lage wird sich sicherlich irgendwann bessern, wenn die Kinder betreut sind und du mehr arbeiten kannst. Aber jetzt sollst du dich nicht grämen – denn wenn wir die Lage nicht ändern können, so doch unser Denken darüber.

Was gewinnen wir durch ein einfaches Leben?

Ich würde dir das Konzept ja nicht vorschlagen, ohne dir etwas Tolles in Aussicht zu stellen. Angenommen du findest dich nicht damit ab, momentan weniger Geld zu haben, dann werden deine Gedanken oft, sehr oft um das Thema Geld kreisen. Ändern wirst du die Situation dadurch aber nicht! Wenn du aber deine aktuelle Situation annimmst, sie als Chance in die Arme schließt, dann wirst du dafür anderes gewinnen:

Ressourcen werden freigesetzt: Anstatt über dein Übel zu lamentieren, wirst du kreativ und machst das Beste aus deiner Lage. Nicht: „Ich kann nicht in den teuren Freizeitpark.“ sondern: „Was kann ich heute mit den Kindern machen, das wenig oder kein Geld kostet?“

Du wirst falsche Freunde los: Menschen die einen danach beurteilen, was man HAT, können einem doch gut und gerne gestohlen bleiben.

Du wirst glücklicher: Ganz einfach dadurch, dass du nicht mehr unglücklich über (vermeintlich) zuwenig Geld bist. Denn uns allen ist schon aufgefallen, das die Freude über neue Dinge meist nur kurz anhält.

Du wirst unabhängiger: Betrachten wir es realistisch: Den meisten Kram braucht man nicht. Konzerne brauchen uns, damit wir die Dinge kaufen, um ihren Gewinn zu mehren. Sie bombardieren uns mit Werbung und bauen die Sachen dann so, das sie möglichst schnell kaputt gehen, damit wir neues kaufen müssen. Unser Konsumverhalten ist also meist fremdbestimmt und dient nicht unseren Interessen.

Du schonst die Umwelt: Hey, das ist ein wichtiges Thema! Auch wenn es Großkonzernen ziemlich egal ist, wir haben die Kinder geboren, die auch nach uns noch in dieser Welt leben müssen.

Das Leben der Zukunft wird ein einfaches sein

Als bewusste Vertreter eines einfachen Lebensstils sind wir Visionäre und bereiten unseren Kindern einen gangbaren Weg in die Zukunft. Unser aktueller Lebensstil ist auf unablässiges Wachstum ausgerichtet – und das ist kein tragfähiges Konzept. Es kann so einfach nicht weitergehen. Lies hier einmal nach, warum wir durch ein einfaches Leben Zeit, Geld, Raum und ökologische Ressourcen sparen.

Fazit: Auch wenn wir gezwungen sind, ein einfacheres Leben zu führen, als wir es gewohnt sind oder es uns wünschen, können wir nicht nur mit unserer Einstellung das Beste daraus machen – wir tragen auch etwas zur Zukunft unserer Kinder bei.

Ich hoffe du hast GENUG – ein Dach, ein Bett, Essen und etwas Zeit.

Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug

Epikur, ebenfalls ein griechischer Philosoph

 

 

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